Mittwoch, 7. September 2005

Koenig des Baikal

Das ist natuerlich ironisch gemeint und ich hoffe, Vater Baikal bekommt es nicht mit. Seine Rache koennte fuerchterlich sein. Niemand kann diesen unfassbaren, unbeschreiblichen See (die Sibiryaken nennen ihn zu Recht Morje Baikal - also Meer) beherrschen. Und alle die es versuchten, sind bis jetzt gescheitert.

Das groesste Trinkwasserreservoir der Erde hat soviel Wasser, dass er ausgekippt und ueber die Erde verteilt, die ganze Kugel mit 20cm Wasser bedeckte.

Ich habe an diesem schon fast mystischem Ort das Glueck gehabt einige Sibiryaken kennenzulernen, die sich schon fast ruehrend um mich gekuemmert haben. Auf jede Party eingeladen, allen Frauen vorgestellt und mit Essen versorgt bis ich kaum noch Laufen konnte. Das koennte allerdings auch am Vodka gelegen haben...

Die Natur des Baikal ist mit Worten kaum zu beschreiben. Doch die Natur spricht durch den Sibiryaken und ich habe selten so offene, liebenswerte Menschen wie inIrkutsk kennengelernt, die sich bei aller Ausgelassenheit eine Tiefe der Seele bewahrt haben [(c) Mail an Kay - ich hoffe du entschuldigst das]. Und das umso mehr, als dass die Menschen hier gegen widrigste Bedingungen ankaempfen muessen. Nicht nur die Natur erfordert einen taeglichen Ueberlebenkampf, auch der unregulierte Kapitalismus ist hier in all seiner Harte ueber die Menschen herein gebrochen. Zusammen mit der russischen Verwaltung kaempft dieser hier mit aller Macht gegen ein leichtes Leben der Menschen - weder eine Aerztin (150Euro im Monat) noch ein Ingenieur in der angesehenen Flugzeugfabrik(180 Euro) koennen hier von ihren Gehaeltern leben. Erschreckend ist aber vor allem die Armut alter Menschen, viele sind hochgebildet (ehemalige Professoren, Ingenieure) - und muessen um zu ueberleben ihre Rente durch den Verkauf von selbst angebautem Gemuese auf dem Markt aufbessern.
Unter diesen Bedingungen muss man sich wohl ein breites Lachen bewahren um nicht zu verzweifeln.

So bin ich nach meiner ersten Station jetzt gluecklich in der mongolischen Hauptstadt angekommen und freue mich schon auf die naechsten Tage. Es heisst, Gott haette den Menschen in der Mongolei die Zeit zum Geschenk gemacht und man solle sie verschwenden wo es geht. Genau das habe ich die naechste Woche vor.

-Flo auf Reisen-
breakz (Gast) - 7. Sep, 13:20

tolle reise


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