Dienstag, 11. Oktober 2005

Ho Chi Minh und ich

hohochiminh

Mittlerweile schon seit ueber einer Woche in Vietnam gibt es natuerlich einiges nachzuholen. Obiges Bild zeigt mich mal wieder auf den Spuren der grossen Helden unseres Jahrhunderts. Immerhin habe ich auf meiner Reise nun schon die sterblichen Ueberreste von Lenin, Mao Zedong und schlussendlich Ho Chi Minh an mir vorbeidefilieren lassen. Leider befanden sich alle drei zur Zeit meiner Ankunt in der Restauration - was immer das heissen mag.
Das Interessante an den Mausoleen sind jedoch nicht die sterblichen Ueberreste, sondern vielmehr die Massen an Menschen, die sich dort einfinden. Und das selbst an den Tagen, an denen diese eingentlich geschlossen sind. Denn so sehr man zumindest bei Ma Zedong ob seiner Verdienste sehr geteilter Meinung sein kann, ist die Verehrung dieser Nationalhelden ungebrochen. Doch selbst Mao Zedong wuerde sich im Grab umdrehen, wenn er wuesste, dass die Plastikblumen, die man im Eingangsbereich kaufen kann jede halbe Stunde weggeraeumt und wieder zum Kauf angeboten werden.

Ho Chi Minh profitiert jedoch umso mehr von der Gnade des fruehen Todes - die Irrwege der politischen Elite nach dem Ende des Vietnam-Krieges kann ihm wirklich keiner zum Vorwurf machen. Zu diesen Irrwegen gehoert natuerlich auch, dass sie seinen letzten Wunsch keinesfalls ein Mausoleum fuer ihn zu bauen offensichtlich in den Wind geschlagen haben.

Bevor ich jedoch in die kommunistische Vergangenheit entfloh, habe ich in Sapa, einem kleinen Dorf im bergigen Norden Vietnams, die kapitalitische Gegenwart erfahren. Das ganze Dorf hat sich in einen riesigen Marktplatz mit Unmassen von Ich-AGs verwandelt, die alles - aber auch wirklich alles - zu Geld machen. Hotels schiessen wie Pilze aus dem Boden und fuer ein klein wenig Wegzoll darf man in den Minderheiten-Streichelzoo. Leider hat man nicht das Gefuehl, dass dieser Tourismus den Menschen dort irgendetwas nuetzt, da das Geld in den Taschen der lokalen Politiker und Polizeichefs verschwindet.

Leider wird mein Internet-Cafe wohl gerade von der Polizei geschlossen, weswegen ich diesen Beitrag beenden werde.

Bald mehr von mir und meiner traumhaften Bootstour durch Halong Bay.

-Flo auf Reisen-

Mittwoch, 28. September 2005

Biking in Yunnan

Fahhradfahren ist immer noch grosser Volkssport in China, was die Leute nicht daran hindert einen mit grossen Augen engeistert anzustarren, wenn ein Europaer mit Fahrrad durch die chinesische Landschaft faehrt. Trotzdem - oder gerade deshalb - ist biken in China immer ein ganz besonderer Spass. Man landet an Orten, die so nicht fuer westliche Augen bestimmt sind und macht immer wieder bemerkenswerte Bekanntschaften.
So habe ich heute, nachdem ich mich total verfahren hatte und nach dem Weg fragen musste, die Bekanntschaft mit zwei taubstummen Chinesen gemacht. Bemerkenswerter Weise die beiden Chinesen mit denen ich bis jetzt die tiefgehehendste Unterhaltung hatte ohne in fuer sie fremde Sprachen ausweichen zu muessen. Natuerlich wird mein chinesisch von Tag zu Tag besser, aber um mich wirklich verstaendlich zu machen muss ich doch immer wieder auf Koerpersprache zurueckgreifen - was naturgemaess bei Taubstummen sehr viel besser funktioniert.

Darueber hinaus habe ich mich eine verlassene Tempelanlage verfahren, die gerade restauriert wird. Die Narrenfreiheit fuer Europaer ist in solchen Momenten sehr angenehm, vor allem da ich nicht vorhabe in China ebenfalls Anklagen wegen Hausfriedensbruchs auf mich zu ziehen.

So weit von mir - stay tuned.

-Flo auf Reisen-

Dienstag, 27. September 2005

Yunnan - Province

Bin jetzt im tiefsten Suedwesten Chinas gelandet und habe den ersten entspannten Flecken Chinas gefunden.

Die wunderschoene Altstadt Dalis kommt mit nur wenigen Autos und fuer Chinas Verhaeltnisse sehr wenig Laerm aus. Hier laesst es sich vielleicht mal etwas entspannen. Mehr davon bald.

-Flo auf Reisen-

Samstag, 24. September 2005

Shanghai und immer weiter

shanghai

Ich bin mitterweile schon eine Woche in Shanghai und wollte eigentlich schon des oefteren ein kleines Update verfassen, aber es ist kaum zu glauben wie schwer es in dieser Hightechstadt ist, ein ordentliches Internetcafe zu finden. Bilder hochladen oder gar deren Groesse veraendern ist meistens weit zu viel verlangt.

Jetzt habe ich mich aber gerade in meinem Hotel festgesetzt und einige Aenderungen am Computer vorgenommen und siehe da - es funktioniert. Meine neuestes Fotos findet ihr wie gewohnt unter:

http://flickr.com/photos/flo2005/

Die einzelnen Stationen meines Trips:
http://flickr.com/photos/flo2005/tags/mongolei
http://flickr.com/photos/flo2005/tags/bejing
http://flickr.com/photos/flo2005/tags/cruisingdownyangtse
http://flickr.com/photos/flo2005/tags/shanghai


Shanghai ist eine durchweg zwiespaeltige Stadt - einerseits besitzt sie eine sich entwickelnde Kunst- und Kulturszene, wodurch sich die Stadt von allen Staedten in China positiv heraushebt, andererseits ist die Enge und Hektik der Stadt Grund fuer eine kaum vorstellbare Ruecksichtslosigkeit der Menschen. Das gilt sowohl fuer die Chinesen als auch fuer die Expats (in Shanghai lebende Auslaender), die im Taumel des Shanghaier Nachtlebens jedes gute Benehmen vergessen.

Trotz Shanghais Aufbruch in die Moderne findet man auch hier Rueckzugsraeume aller Art. Vor zwei Tagen hatten wir bei dem Besuch eines Tempels das Glueck, ein traditionelles chineisches Begraebnis mitzuerleben. Nach einer laengeren Zeremonie (ich habe natuerlich kein Wort verstanden), wurde ein kunstvoll aus Papier gebautes Schiff mit Geschenken angezuendet. Danach wurde eine Puppe des Verstorbenen ebenfalls verbrannt.

Kurz darauf habe ich die Bekanntschaft mit einem buddhistischen Moench gemacht, der sich erst beeindruckt ueber meine Koerperstaerke gezeigt hat und mich dann vollkommen unvermittelt an Stellen anfasste, die eindeutig zu meiner Intimsphaere gehoren. Wahrscheinlich leiden buddhistische Moenche genauso unter dem Zoelibat wie katholische Priester.

Obwohl ich heute unter einem mittelschweren Kater leide geht es mir sonst gut und ich freue ich mich schon darauf endlich Shanghai zu verlassen. Am Montag geht es mit dem Flieger in die Yunnan Provinz nach Kunming. Vom Charme dieser Provinz gibt es mehr Geschichten, wenn ich dort angekommen bin.

Montag, 12. September 2005

China

China laesst sich mit einem Wort charakterisieren - Chinesen. Es ist einfach unglaublich wieviele Menschen dieses Land beherbergt. Ich dachte, ich bin gerade auf dem Weg in eine kleine Provinzstadt und wundere mich, warum dieser Zug eine Stunde benoetigt um von der Stadtgrenze zum Bahnhof zu kommen. Beim Nachlesen stelle ich fest, dass Zhezhuong mal eben 7 Millionen Einwohner hat.
Genauso beeindruckend wie die schieren Menschenmassen ist der riesige Organisationsapparat der diesen Tausendfuessler - ein Tier, das China sehr viel besser charakterisiert als der Drache - am Laufen haelt. Er scheint zwar staendig ueber seine eigenen Fuesse zu stolpern, ist in Wirklichkeit aber im stetigen und rasend schnellen Gleichschritt unterwegs. Diese Organisiertheit faellt beonders positiv aus wenn man gerade aus dem Chaos der Mongolei nach China geschwemmt wird und ploetzlich alles wieder zu funktionieren sscheint, die Felder der Bauern (oder wohl eher: Kolchosen) sind wie mit dem Strich gezogen und auch der Verkehr scheint sich an Regen zu halten - Regeln, die fuer einen Westeuropaeer zwar jeglicher Vernunft entbehren, aber immerhin. Das Zugsystem ist aber schlichtweg beeindruckend.

Leider hat die Organisation verbunden mit einer Moderiniserungswut dazu gefuerht, dass die meisten Staedte Chinas sich aehneln wie ein Ei dem andern. Bejing sticht natuerlich heraus, aber auch hier hat man den Eindruck, dass allzu leichtfertig die letzten Teile der Altstadt dem x-ten Hotel und Buerotower geopfert werden. Alles wird dem Diktat der Wirtschaft untergeordnet und das in einer Art und Weise, die bei uns seit den 60er Jahren nicht mehr vorstellbar ist. Doch ist hierbei natuerlich nicht der Rueckzug des Staates das Problem, sondern die vollstaendige Identitaet von Staat und Wirtschaft.

Der Staat ist schlichtweg allgegenwaertig und zeigt auch gerne mal seine Macht. Wir hatten interessehalber ein Fussballspiel von Guajo Bejing gegen Shanghai (6 gegen 8, alte Erzrivalen) verfolgt. Es war nicht so sehr das Spiel spannend sondern das Verhalten der Fans und der allgegenwaertigen Staatspolizei. In jedem Block sitzen mehrere Aufpasser und das gesamte Spielfeld ist umrahmt von unbewegt in die Fans starrenden Sicherheitsmaennern. Am Ende des Spiels ("wir" haben uebrigens 3:1 gewonnen) war der gesamte Vorplatz des Arbeiterstadiums mit Polizisten vollgestellt - und das will was heissen. Fuer die etwas 15000 friedlichen Fans kann man dies nur als reine Machtdemonstarion bewerten. Nicht das man so etwas in Deutschland nicht auch erleben wuerde, aber das Ausmass und die Art und Weise des Auftretens sind nicht vergleichbar.

Wir wurden als einzige Europaeer uerbrigens frenetisch bejubelt - nach dem gewonnenen Spiel wollte jeder der Bejing-Supporter uns eigenhaendig die Hand druecken. Sehr schoenes Erlebnis.

Bei mir geht es jetzt morgen weiter nach Quiandozing, wo ich versuche mit dem Boot nach Shanghai zu fahren. So habe ich die Chance den Jiangtse noch mal zu sehen, bevor der Drei-Schluchten-Staudamm fertig ist.

Mehr gibt es bald - und dann vor allem auch wieder Fotos.

-Flo auf Reisen-

Mittwoch, 7. September 2005

Koenig des Baikal

Das ist natuerlich ironisch gemeint und ich hoffe, Vater Baikal bekommt es nicht mit. Seine Rache koennte fuerchterlich sein. Niemand kann diesen unfassbaren, unbeschreiblichen See (die Sibiryaken nennen ihn zu Recht Morje Baikal - also Meer) beherrschen. Und alle die es versuchten, sind bis jetzt gescheitert.

Das groesste Trinkwasserreservoir der Erde hat soviel Wasser, dass er ausgekippt und ueber die Erde verteilt, die ganze Kugel mit 20cm Wasser bedeckte.

Ich habe an diesem schon fast mystischem Ort das Glueck gehabt einige Sibiryaken kennenzulernen, die sich schon fast ruehrend um mich gekuemmert haben. Auf jede Party eingeladen, allen Frauen vorgestellt und mit Essen versorgt bis ich kaum noch Laufen konnte. Das koennte allerdings auch am Vodka gelegen haben...

Die Natur des Baikal ist mit Worten kaum zu beschreiben. Doch die Natur spricht durch den Sibiryaken und ich habe selten so offene, liebenswerte Menschen wie inIrkutsk kennengelernt, die sich bei aller Ausgelassenheit eine Tiefe der Seele bewahrt haben [(c) Mail an Kay - ich hoffe du entschuldigst das]. Und das umso mehr, als dass die Menschen hier gegen widrigste Bedingungen ankaempfen muessen. Nicht nur die Natur erfordert einen taeglichen Ueberlebenkampf, auch der unregulierte Kapitalismus ist hier in all seiner Harte ueber die Menschen herein gebrochen. Zusammen mit der russischen Verwaltung kaempft dieser hier mit aller Macht gegen ein leichtes Leben der Menschen - weder eine Aerztin (150Euro im Monat) noch ein Ingenieur in der angesehenen Flugzeugfabrik(180 Euro) koennen hier von ihren Gehaeltern leben. Erschreckend ist aber vor allem die Armut alter Menschen, viele sind hochgebildet (ehemalige Professoren, Ingenieure) - und muessen um zu ueberleben ihre Rente durch den Verkauf von selbst angebautem Gemuese auf dem Markt aufbessern.
Unter diesen Bedingungen muss man sich wohl ein breites Lachen bewahren um nicht zu verzweifeln.

So bin ich nach meiner ersten Station jetzt gluecklich in der mongolischen Hauptstadt angekommen und freue mich schon auf die naechsten Tage. Es heisst, Gott haette den Menschen in der Mongolei die Zeit zum Geschenk gemacht und man solle sie verschwenden wo es geht. Genau das habe ich die naechste Woche vor.

-Flo auf Reisen-

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